Zugrundeliegende Weltanschauung von Shiatsu und der traditionellen chinesischen Medizin

Bild Shiatsu Yin und Yang

Yin und Yang

Resultierend aus der Spannung einer gegenübergestellten Polarität, entsteht die Sicht des Oben und Unten, Gut und Schlecht, die Empfindung von Warm und Kalt, der Übergang vom Tag in die Nacht, das Wohlgefühl eines gesättigten Magens und der nagende Hunger mit dem Verlangen nach Essen, wenn wir nüchtern sind, Krankheit und Gesundheit etc.. Alles fließt im beständigen Wandel und bedingt sich durch das Gegenteil, keiner der Zustände existiert aus sich selbst heraus. Da es eine dunkle Nacht gibt, erleben wir den Tag in seiner Helligkeit. Die alten Chinesen benannten diese scheinbar isolierten Phänomene Yin und Yang.

Bild Energiekreislauf Shiatsu

Die Wandlungsphasen

Doch damit konnte man den Kosmos (Kosmos heisst Ordnung) und den Menschen als Teil des Kosmos mit seiner Dreigliederung in Körper, Seele und Geist sowie deren Funktionen nur ungenügend erklären. Beobachtete man die Natur, den Makrokosmos z.B. mit seinen Jahreszeiten, so fand man nicht nur das Schwarz und Weiss der Polaritäten, sondern fliessende Übergänge, die Wandlungsphasen. Der Sommer geht aus dem Frühling hervor, der Herbst aus dem Sommer, und auf den Herbst folgt unausweichlich der Winter. Konsequenterweise finden wir diese Entsprechungen auch in unserem Körper, in der Bewegung, im Wachstum. Aus dem Säugling wird das Kleinkind und daraus das Schulkind, worauf der Jungendliche das Erwachsenenalter erreicht, aus dem am Lebensende der betagte Greis das Zeitliche segnet. Das Blut geht aus dem Knochenmark hervor, der Stoffwechsel in Muskulatur und Leber erwärmt das Blut, die Nieren wiederum reinigen das Blut, werden aber ihrerseits mit Sauerstoff aus den Lungen über das Blut versorgt, die Lungenflügel werden durch die Atemmuskulatur bewegt, die vom autonomen Nervensystem gesteuert/innerviert ist, damit wir nicht ans Atmen denken müssen... Alles ist in einer Art von Regel-Kreislauf vernetzt, in einem grossen, zusammenhängenden System. Im Westen kennen wir die vier Jahreszeiten und die vier Elemente Luft, Feuer, Wasser, Erde. In der östlichen Weltanschauung spricht man von den fünf Wandlungsphasen: Holz, Feuer, Erde, Metall, Wasser und den fünf Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Spätsommer, Herbst und Winter. In diesem Denksystem hat man analoge Zuordnungen getroffen. mehr lesen: Tabelle der Wandlungsphasen

Bild Meridiane beim Shiatsu

Vitalität und Lebenskraft

Schliesslich muss man sich mit dem japanischen Begriff des Ki (chinesisch Chi), der Lebensenergie vertraut machen. Interessanterweise finden wir ja, liebe Leserin und Leser, diesen Begriff der Lebenskraft auch bei Hahnemann in der Homöopathie, wie Sie oben bereits gelesen haben. Ki, die Vitalität und Lebenskraft, ist allgegenwärtig und durchdringt den Körper sowie die feineren Instanzen unseres Menschseins. Ähnlich dem elektrischen Strom, der in Kupferleitungen fliesst oder dem Wasser im Flussbett, so fliesst diese Lebensenergie in einem unsichtbaren Netzwerk den Meridianen (Energiekanäle) im Organismus. Ungehindertes Fliessen der Energien bedeutet körperliches, seelisches und geistiges Wohlergehen, das heisst Gesundheit, Bewegung und Weiterentwicklung. Jedes körperliche und seelische Unwohlsein sowie alle akuten und chronischen Beschwerden entsprechen einer Disharmonie im Fluß dieser Vitalkräfte.

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