Zur Anschaulichkeit der homöopathischen Behandlung drei Fallschilderungen aus meiner Praxis

Homöopathische Behandlung von Herzrhythmusstörungen

Akuter Fall: Herzarhythmien (Mann 62 Jahre alt)

Der passionierte, langjährige Marathonläufer kommt in meine Praxis und erzählt mir über seine Herzprobleme. Er könne schon seit drei Monaten nicht mehr laufen, da er unter starken, anhaltenden Herzrhythmusstörungen leidet, die von einer ausgeprägten allgemeinen Schwäche begleitet sind. Selbst am vergangenen Wochenende bei einem kleinen Spaziergang im Schwarzwald hätte er sofort "weiche Knie bekommen". Er könne keine fünfhundert Meter rennen. "Sobald es nur etwas den Berg hochgeht, habe ich das Gefühl, ich schaffe das nicht". Der internistische Arzt hat ein Belastungs-EKG und andere Untersuchungen durchgeführt, ohne einen klinischen Befund erheben zu können. Am nächsten Montag sei ein Termin zur Katheterlegung des Herzens angesetzt, was er wegen der damit einhergehenden Risiken eigentlich vermeiden möchte. Einen Grund für diese starken Krankheitserscheinungen könne er sich nicht erklären.

Nachts gehe es ihm immer bedeutend schlechter als tagsüber, da spüre er eine starke innere Unruhe, könne deswegen auch nicht schlafen und achte dauernd auf seine Herzrhythmusstörungen. "Mein ganzer Körper fühlt sich verspannt an, ich kontrolliere fast zwanghaft meinen Puls, und habe schreckliche Angst", erzählt mir der Patient. "Mein Mund ist ausgetrocknet, ich trinke ein Glas Wasser nach dem anderen und muss nachts jede Stunde zur Toilette. Schon im vorjährigen Winter ist mir oft kalt gewesen, und in den letzten Herbstmonaten bin ich auch die ganze Zeit am Frieren".
Das Asthma, das er als Kind hatte, ist mit dem achtzehnten Lebensjahr verschwunden. Er wäre schon immer ein sehr aufgeregter Mensch gewesen, macht sich Sorgen um seine zwei Töchter, und seine Frau sagt ihm, er könne sich schlecht entspannen und bräuchte mehr Freude im Leben.

In dieser Fallgeschichte finde ich ein klares Krankheitsbild, welches sich mit dem homöopathischen Arzneimittel Arsenicum album deckt. Es charakterisiert sich im "Schlüssel-Schloss" Vergleich (Ähnlichkeitsgesetz) durch die Herzarhythmien, die ausgeprägte Schwäche, der starke Durst und die ausgeprägten, inneren Unruhezustände sowie durch die allgemeine nächtliche Verschlimmerung.

Da das Krankheitsgeschehen sich heftig und intensiv zeigt, erhält der Patient fast tägliche homöopathische Arzneigaben, in immer stärker potenzierter Form. Die oben beschriebenen Krankheitssymptome reduzieren sich daraufhin schrittweise, und von einer Herzkatheteruntersuchung kann abgesehen werden. Schon nach fünf Tagen wird der Patient aus der Klinik entlassen, da er keinerlei Herzbeschwerden mehr spürt und die Untersuchungsergebnisse negativ sind. Nach und nach verschwinden auch die anderen Symptome (der trockene Mund, der übertriebene Durst, das Frieren und natürlich auch die starken Angstgefühle). Sieben Tage nach dem homöopathischen Behandlungsbeginn kann er ohne Schwächegefühl Treppen steigen. Die innere Ruhelosigkeit ist einer normalen Gelassenheit gewichen.
Bedenkt man, dass dieser Mann schon Monate unter den Krankheitserscheinungen gelitten hat, kann auch hier nicht von einem Placebo-Effekt geredet werden, noch von einer zufälligen Gleichzeitigkeit einer selbstständigen Genesung mit den homöopathischen Arzneigaben. Das hätte ja schon zu jedem anderen Zeitpunkt im Krankheitsverlauf eintreten können. In einem Telefonat nach vier Jahren seit der Erkrankung erzählt mir der Patient, dass er wieder Marathon laufe und gesund geblieben sei.

Homöopathische Behandlung von Arthritis

Chronischer Fall: Kindliches Rheuma/Juvenile chron. Arthritis (Junge 7 Jahre alt - Name geändert)

Während des homöopathischen Gesprächs sitzt Andreas fast eine ganze Stunde bei der Mutter auf dem Schoß. Sie erzählt jedoch, daß er normalerweise ein Draufgänger im Fußball sei, auf die höchsten Bäume klettere und in der Schule pfiffig und intelligent sei.

Im Sommer vor drei Jahren wurde eine Arthritis im linken Ellenbogengelenk mit sehr schwerem Verlauf in der Kinderklink operativ behandelt. Jetzt kann Andreas wegen der starken Schmerzen im rechten Ellenbogen seinen Arm nur eingeschränkt benutzen. Und seit mehreren Wochen hinkt er mit dem linken Bein beim gehen. Außer der starken Schwellung und Überwärmung des Ellenbogens sowie leichtem Fieber ist der Allgemeinzustand ganz ordentlich. Daher entscheidet sich die Mutter vorerst für eine nebenwirkungsfreie homöopathische Behandlung, obwohl die Klink zu einer längerandauernden antirheumatischen Therapie rät wegen der schlechten Krankheitsprognose.

Wie ich im obigen Text schon darstellte, ist die Homöopathie eine ganzheitliche Therapie, deshalb ergründe ich nun die Nebensymptome von Andreas.
Auf der seelischen emotionalen Ebene ergänzt die Mutter, daß er eher über wenig Selbstvertrauen verfüge, andere Kinder bringen ihn mit ihren Sprüchen zum Weinen. Dafür sei er aber recht führsorglich zu den kleineren Geschwistern. Und "wenn der Bub sich nur nicht dauernd in der Nase bohren würde, sie ist schon ganz wund".
Auffallend sei im körperlichen Bereich ein ständiger starker Kopfschweiß während des Schlafens. Würde die Mutter den Milchkonsum nicht einschränken, so würde Andreas rund 1,5 l pro Tag trinken. Bei der Untersuchung fällt mir auf, daß die Zehnägel stark nach innen gebogen sind.

Die nun erfolgende Zusammenfassung der Symptome, die Fallanalyse und Computerauswertung zeigt nach dem Ähnlichkeitsgesetz (siehe S6) eine klare Übereinstimmung mit der homöopathischen Arznei Silicea. Der "Schlüssel paßt ins Schloß", Eigenregulation wird bewirkt und Gesundung kann geschehen.
Zur großen Freude aller Beteiligten sind nach drei Wochen homöopathischer Behandlung die Gelenke schmerzfrei und wieder voll belastbar. In der einjährigen Nachsorge wird die homöopathische Arznei regelmäßig wiederholt. Andreas ist jetzt siebzehn Jahre alt und hatte seither keine Gelenkprobleme mehr!

„Wer heilt hat recht“, muß bei diesem Fallbeispiel zitiert werden, denn weder von Placebowirkung oder von einem zufälligem Wegbleiben der Krankheitssymptome, noch von einer positiven Suggestiv-Wirkung eines einfühlsamen Gespräches, kann hier die Rede sein.

Homöopathische Behandlung von Rheuma

Konstitutionsbehandlung: Rheumatische Beschwerden, langjähriger Juckreiz im Gehörgang, Darmschmerzen durch Dammriss nach der Geburt der Tochter vor 8 Jahren und seit 10 Jahren im Herbst und Frühjahr wiederkehrende Nasennebenhöhlenvereiterungen (Frau 36 Jahre alt)

Die freundliche, extrovertierte Arzthelferin schildert mir auf eindrückliche Weise ihre vielfältigen Beschwerden. Nach einem cirka eineinhalbstündigen Gespräch ist klar, dass das Ziel der homöopathischen Behandlung eine "grundsätzliche Sanierung" des Bodens der Krankheitsentstehung betrifft. Hier muss eine ursächliche Kur erfolgen, die den Gesamtorganismus wieder ins Gleichgewicht bringt, denn eine Hauptbeschwerde ist bei diesem vielgestaltigen Beschwerdebild gar nicht zu finden.

Auf das erste homöopathische Arzneimittel (Silicea) berichtet sie, dass die zweimal im Monat auftretenden "säbelartig, stechenden" Darmschmerzen, "wegen denen ich fast umkippe vor Schmerzen" ausgeblieben seien. Auch der brennende Schmerz im After beim Stuhlgang sei zu 70% besser geworden. Da die anderen Beschwerden, vor allem die Schmerzen in den Daumengrundgelenken nicht auf das Mittel angesprochen haben, wechsle ich die homöopathische Arznei. Der Orthopäde ordnet der Patientin eine Schiene für die Hände an, die nachts getragen werden muss. Nach einer Gabe Sulfur in Hochpotenz ist zwar der Juckreiz in den Ohren deutlich besser, doch "die Schmerzen und der eingeschränkte Gebrauch der Hände machen mich noch fertig". Auch seien die Kopfschmerzen bei Wetterwechsel wieder zweimal aufgetreten und die Aphten in der Mundschleimhaut vor der Menstruation pünktlich erschienen. Der Frauenarzt hätte zwar zum Glück keinen Befund in der Mammographie erheben können, doch eine Akupunkturdauernadel gesetzt, welche die Drüsenverhärtung und die damit verbundenen Brustschmerzen "weggezaubert" hätten. Auf meine Frage, ob es sonst noch was zu berichten gäbe, sagt sie mir: "Dauernd tränen die Augen an der frischen Luft, die mich nicht richtig sehen lassen", zu Ende des Gespräches.

Nach einer Gabe von Phosphorus in der Potenz C 200 strahlt mich die freundliche Frau an: "Schon nach vier bis fünf Tagen ist die Wirkung eingetreten, es ist nur noch ein Rest von 20% des lästigen Juckreizes in den Ohren übriggeblieben, doch das allerbeste ist, dass die Schmerzen in den Händen fast völlig verschwunden sind, genauso wie die Gelenkschmerzen in der linken Hüfte und in der linken Ferse". Der Orthopäde hätte ganz erstaunt geschaut, als sei ihm erzählte, dass die Hände wieder voll einsatzfähig sind. Die zuletzt gegebene homöopathische Arznei wird je nach Symptomatik und Bedarf einige Male wiederholt werden müssen, bis eine langfristige Stabilität der Gesundheit eintritt.

Sehr anschaulich zeigt sich in dieser Fallgeschichte, dass zum Wohle des Patienten die einzelnen ärztlichen und auch nicht-ärztlichen Heilberufe konstruktiv nebeneinander stehen können. Hahnemann prägte zu diesen grundsätzlichen konstitutionellen Behandlungen den Ausspruch: "Legt man den Sumpf trocken, so verschwinden die Fliegen von alleine". Stabile Gesundheit entsteht von innen heraus, eine ausschliesslich lokale Krankheitsbetrachtung, ein "Stopfen von Löchern", sollte unterbleiben.

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